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Soweit nicht anders gekennzeichnet liegen sowohl die Verantwortung für den Web-Auftritt, 

als auch alle Rechte bei Diversity of Darkness

Once upon a night

Diversity of Darkness

Taucht mit uns in die Welt

der Dunkelheit ein - so vielfältig, wie ihr sie

noch nie gesehen habt!

Erfahrt, was es heißt ein Teil der                Nacht zu sein.

Hinter der düsteren Musik steckt eine              geheimnisvolle Story,

die hier für euch präsentiert wird.

Unser Konzept besteht aus verschiedenen          Charakteren die euch in die Welt der Vielfalt der Dunkelheit führen...  

The members

Exile (Verbannung) [Das Böse, Das Biest] – Wesen aus Geschichten

Seit jeher war in jenen Landen Exile der Begriff für das reine Böse. Kirchliche Kreise sahen in ihm einen Besessenen und einen Dämon. Man sagte, dass im Schutze der Nacht, die Dunkelheit ausnutzend, er sich in die Köpfe von Menschen setzte, sie in den Wahnsinn trieb, ihre Handlungen steuerte, er Neid und Angst säte und das Chaos verbreitete. Über ihn ist nichts offizielles bekannt oder bestätigt. Verschiedenste Quellen aus allerhand Epochen und Ländern erzählen von einem menschlich wirkenden Wesen, welches jene dunklen Gaben besitzt, die Dunkelheit für sich zu nutzen. Aber auch sehr zwiespältige Informationen machten die Runde. Zeugenberichte sprechen davon, sie hätten ihn gesehen und hätten sich in jenem Moment „seltsam geschützt und sicher“ gefühlt. Andere widerum sprechen von der blanken Panik und Todesangst.

 
Ein Kleriker schrieb einst im 12. Jahrhundert: 


„ Und dass es mich ergriff mit dem Gedanken mich zu fügen, so konnte ich mich ihm nicht erwehren. Sein Wort, so klar und kratzend, wie ein Hauch sich einbrannte der Absicht, mich zu binden. Es sagte mir, er habe die Sechs beisammen und ich bräuchte mich nicht zu fürchten, denn das Gräuel sei im Schatten so falsch. […] doch, was meinte er nur damit?“

Mélanin (Farbe) [Die Ruhe, Die Verführung] – Wesen, datiert auf Mitte des 19. Jahrhunderts

Jene, die sie glaubten, gesehen zu haben, berichteten von einer seltsamen Ruhe, die sie umgaben. Erste Geschichten wurden Mitte des 19. Jahrhunderts laut, die von einer weiblichen Gestalt handelten, welche in der Dämmerung und nachts Verirrten und Reisenden erscheinen solle. So wechselnd die Geschichte über die Figur Melanin zu sein scheinen, so wandelbar seien auch ihre Taten. Dem Einen ruhig zuredend und tröstlich, sprachen andere von schlagartigen emotionalen Umschwüngen ins Erdrückende, Depressive, Traurige. 
Ein Augenzeuge beschrieb seine Begegnung:


„ […] Und da sah ich sie. Sitzend am Rinnstein schaute sie mich an, ohne dabei zu blinzeln oder eine Regung zu zeigen. Ihre Stimme schien aus mir selbst heraus und flüsterte mir zu, es sei alles gut. Doch so herzlich ihre Worte klingen mochten, so hilflos und traurig fühlte ich mich. […] Aber es wirkte alles nicht von hier. Diese seltsamen schwarz-grauen Schleier, die sie umgaben. Sie bewegten sich, wogen leicht in der Luft und schienen mich anzustarren.“  

Pille (Marodeur) [Die Geschwindigkeit, Die Entschlossenheit] – Waldläufer um 1362

Viel ist über ihn nicht bekannt. Sein Spitzname soll aus dem englischen „Pile“ (Pfahl, Pflog oder Stoß) übernommen worden sein und auf seine Ambition, seine Beute mit entsprechendem Werkzeug den Gar aus zu machen, hinweisen. Als einfacher Jäger hatte er den Ruf eines ruhigen und gemäßigten Freiberuflers, doch schienen seine Kollegen ihn für seine unorthodoxen Methoden zu meiden. Zeugenberichte von einer eskalierenden Auseinandersetzung zwischen zwei Betrunken im Jahr 1860 während einer berühmten Dorffestes sollen Pille beschreiben, wie er mit teils obskurer Geschwindigkeit mit Hilfe zweier kleiner Pfähle auf die Streithähne einschlug, um sie voneinander zu treffen. Davon derartig schockiert, verbannte das Dorf Pille, der seit jeher in keinem bekannten Bericht mehr auftauchte. 

Charlie (Schütze) [Der Hauch, Der Windschlag] – Legende, 14. Jahrhundert

„ Ein Wind ihn ergriff, ob windstill die Nacht.
Ein lieblicher Blick sein`m Antlitz bedacht
Und lauernd doch ruhte, folgend sein`m Schritt
Sie schweifend durch die Schatten ritt.

Es schwand schnell sein Ziel, denn er wusste es gut
Dies Wesen in blickte, roch Leben und Blut.
Sein Geist schnell erkannte, keine Flucht es mehr gab
Auf dass sie ihn lege, in‘s samtige Grab“

Gegen Mitte des 14. Jahrhunderts weisen zahlreiche Quellen Informationen über Diebe, Mörder, Söldner, Vagabunden und Meuchler auf. Doch Vorkommnisse aus den Jahren 1343, 1358 und 1382 im französischen Toulouse, die bis heute ungeklärt sind, weisen unverkennbare Gemeinsamkeiten auf. Mündliche Überlieferungen, wie auch Berichte des französischen Militärs, sprechen von (anscheinend) ziellosen und willkürlichen, Morden. Die Opfer schienen anbei keine Gemeinsamkeiten zu haben, bis auf die Art ihres Todes: Bolzen, die tief von hinten durch die Schädelbasis eindrangen und nicht selten an der Vorderseite den Kopf wieder zum Teil verließen. Ihre Zugehörigkeiten jedoch, waren wahllos: einfacher Soldaten, Kaufleute, Offiziere, Geistliche, Adelige. Man sagte dem Mörder eine beinahe unmenschliche Präzision und Kaltblütigkeit nach, da er aus dem Hinterhalt und absolut leise tötete. Ein abruptes Ende fand die Serie nach der Ermordung des Grafen von Tancarville, Jean III. de Melun im Jahre 1382. Die einzige Zeugin, die Frau eines reisenden Kaufmannes, verstab noch am selben Abend auf mysteriöse Weise, noch bevor ihre Aussage zu Protokoll genommen werden konnte. 


Carnifex (Scharfrichter)

Unermüdlich arbeiten unsere Gelehrten daran, die alten Schriften für euch zu übersetzen.
Habt noch ein wenig Geduld.

Sweeper (Bereiniger) [Das Gleichgewicht, Die Macht] – Wesen aus Erzählungen

Galt zu seiner Zeit als Spezialist der Beseitigung und des Verschwindens. Während der grassierenden Pest war er dafür bekannt, Leichname auf der Straße nicht bloß einzusammeln, sondern sie auch zu „entsorgen“. Bis zum Ende war nicht bekannt, wohin er die Leichname brachte. Auch wurde ihm kein Haus oder ein bestimmter Ort zugeordnet. Gleichzeitig wurden ihm Kontakte zu dunklen Kreisen und ein ruhiger, aber tief sitzender Wahnsinn nachgesagt. Seine letzte Spur weist auf eine Herberge außerhalb der Stadt hin, in welcher er sich mit einem Unbekannten sehr lange unterhielt. 
Eine umstrittene Kupferstichplatte soll angeblich Sweeper zeigen, wie er mit einer unbekannten, stattlichen Person in einer Kneipe zu Tisch sitzt. Der Kupferstich wurde auf das Jahr 1585 datiert. 

[Ehemaliges Mitglied] Spark (Funken) [Der Halt, Das Bollwerk] – Schmiedemeister um 1582

„Wer ist er“ – War zu jener Zeit der meist grassierende Gedanke über Spark. Seine Gesellen und Lehrlinge bekamen ihn nur wenige male im Jahr zu Gesicht, seine Kunden gar nicht. Als Schmied waren seine Werke berühmt, so versprachen sich ihre Träger mystische Kräfte, die allerdings nie bestätigt oder bewiesen wurden. Die Affinität nur nachts zu arbeiten und der Eindruck, er würde seine Schmiedekammer nie verlassen brachten Spark den Ruf eines Einzelgängers und Geheimnis-Trägers ein. 
Aufsehen erregte die Schmiede Sparks dadurch, dass die dort arbeitenden Gesellen und Lehrlinge zum einen nie einen anderen Meister suchten und zum anderen auch nicht zu altern schienen. 

[Ehemaliges Mitglied] Doc (Arzt) [Der Schutz, Die Illusion] – Mediziner um 1810

Nur wenige Gerüchte und Erzählungen weisen noch auf ihn hin. Ein überlieferter Brief und eine schnelle Zeichnung sollen von einer, von vielen als seltsam und unerklärbar erachteten, Behandlung eines älteren Mannes berichten. Man sagt, dass nach der Behandlung des Unbekannten er zwar keinerlei Beschwerden mehr gehabt habe, doch dass auch sein Charakter sich seltsam verändert habe, er auf viele Dinge entweder gar nicht oder nur sehr verworren reagierte. 
Man spricht der Figur „Doc“ Kontakte zu einer damals recht unbekannten Verbindung zu, welche sich auf das Nutzen des Mystischen und der Schatten konzentrieren solle. So soll in manchen Erzählungen von Hexerei oder Beschwörungen die Rede sein, andere sprechen von purer Magie, Illusion und Sinnestäuschungen. 

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Story

Vorwort

Was ist die Wahrheit? Wie definieren sich Richtig und Falsch, Gut und Böse, Schwarz und Weiß? Eine sehr klassische Definition möchte man meinen und vielfach wurde versucht, diesem Thema mit allerlei Spinnereien und Ideenreichtum auf den Grund zu kommen. Doch was, wenn all diese Geschichten nur dem Zwecke dienten, den armen Menschen auf eine falsche Fährte zu lenken? Ihm vorzugaukeln, dass der eine Weg auch nur der einzig richtige Weg sei und ihm damit die Chance zu nehmen, eine eigene Entscheidung treffen zu können; genau DAS macht den Einzelnen blind für das, was im Schatten verborgen ist und im Interesse Vieler auch genau dort verborgen bleiben sollte. 
Ich erzählte euch eine Geschichte von jenen, die wandeln. Von Jenen, die warten, von jenen, die kämpfen.

                        -1-
Es beginnt in einer Schmiede, einem Hort des Schaffens und der Neuentstehung, der Hitze und des Schweißes. Brummelnd grübelt Spark über dem weißlich-glühenden Eisen, welches er in der siedenden Glut seines Ofens dreht. Funken schlagen in Richtung Zimmerdecke, die Luft schlägt Wellen vor Hitze ohne aus der Schmiedekammer entweichen zu können. Das massive Mannesbild beugt sich langsam über den zukünftigen Schild, mustert ihn von oben bis unten und brummt erneut als Zustimmung. Dieser Schild wird gut, er wird halten. Mit einer ruckartigen Bewegung zieht Spark das noch glühende Metall aus der Glut und versenkt es in einem mit Öl gefüllten Bottich direkt neben dem eisernen Amboss. Wahre Fontänen aus Dampf und beißendem Geruch strömen aus dem Gefäß und umhüllen den Schmied. Mit einer schwingenden Bewegung dreht sich Spark um die eigene Achse, wuchtet dabei das Eisen und seinen massiven Schmiedehammer aus den Dampf-Wogen heraus, legt das glühende Werk auf den riesigen Amboss nieder und lässt den Hammer mit schier unschätzbarer Gewalt niederrasen.
Jede Bewegung wird von einer Spur aus mitgerissenem Dampf begleitet. Jeder einzelne bebende Einschlag auf dem Eisen wird von einem Funkenregen begleitet, die glühenden Metallsplitter fliegen kreuz und quer unkontrolliert durch die Schmiedestube. Nach wenigen Schlägen ist der geübte Meisterschmied fertig, hält kurz inne, schiebt sein Gesicht knapp über das noch rot-glühende Metall und zieht die Luft tief durch die Nase ein: „Mnaaaah, perfekt“, knurrt es aus dem Bart. Mit einem leichten, zufriedenen aber unter dem Bart verstecktem Lächeln erhebt sich Spark, legt seinen Schmiedehammer zur Seite und streckt sich. Mit stampfenden Schritten geht er zur Tür seiner Schmiede und reißt das hölzerne Konstrukt auf: Es hat sich die Nacht über das kleine Dorf gelegt.
Mit einer seltsamen inneren Ruhe stapft der Schmied durch den hohen Schnee in Richtung Taverne. Von Wind getragene Schneeflocken schlagen ihm ins Gesicht und schmelzen an der vom Schmiedefeuer erhitzen Haut noch bevor sie diese erreichen können. Seine lederne Schmiedeschürze hat er angelassen. Er lässt sie immer an und sieht auch keinen Grund, sich ihrer zu entledigen. 
Nur noch wenige Meter und seine mit Narben und Hornhaut übersäte Hand kann nach der Klinke der Tavernentür greifen. Kaum gepackt drückt er sie auf und steht mit einem Schritt auch schon inmitten der stickigen, stinkenden Kneipe in der Dorfmitte, in der sich bereits die gesamte Handwerker- und Bauernschaft des Dorfes versammelt haben und eifrig über die Vorkommnisse des Tages unterhalten. 
Langsam geht Spark zu einem der Tische herüber und setzt sich hin. Irgendwas ist seltsam heute, denkt sich Spark. Normalerweise reagiert jemand auf ihn, schaut ihn an, beginnt zu flüstern; es wäre sonst ruhiger geworden, nicht ganz stille, aber er hätte die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Menschen haben Angst vor ihm, das weiß Spark. Doch ist es seltsam, dass an diesem Tag keine Reaktion aufkommt. Nicht einmal der etwas verwirrte Wirt, den Spark gerne spaßeshalber als „schüchtern“ bezeichnet, kommt zu seinem Tisch gewackelt, um ihm schnell und wortlos sein übliches Getränk hinzustellen.

 Hrrrr, das darf doch nicht wahr sein, knurrt Spark und will gerade aufstehen als plötzlich eine seltsame, tief- ruhige Stimme direkt neben ihm ihn anspricht und ihn anweist, sitzen zu bleiben. Sparks Blicke schweifen umher und bleiben etwas erschrocken an einem gewaltigen hochgebauten Mann hängen, der wie aus dem Nichts mit an Sparks Tisch sitzt. Ihre Blicke treffen sich und für einen Moment und ein eiskalter Schauer scheint über dem Mobiliar zu hängen. Und du bist?, fragt Spark. Der Unbekannte beugt sich etwas über die Tischkante und raunt ihm zu:“ Das ist erstmal nicht wichtig. Ich frage mich, wer du bist?“. Ohne eine Antwort darauf zu geben lehnt sich Spark entspannt zurück und hebt einen Arm über die Rückenlehne seines Stuhles. Der Unbekannte legt den Kopf leicht schief und lehnt sich daraufhin auch zurück: 
„Siehst du die Menschen hier? Sie trinken, sie lachen. Morgen früh werden sie nach Hause gehen und ihren Rausch ausschlafen. Sie werden neben ihren Frauen liegen, das Licht löschen und werden schlafen. Doch werden sie blind sein. Denkst du nicht auch?“
Keine Reaktion lässt sich in Sparks Gesicht erkennen. Nüchtern mustert der Schmied den Hünen ihm gegenüber, zieht leicht die Augenbrauen hoch und atmet tief aus. Dann lehnt er sich über den Tisch, rückt den Stuhl etwas heran, sodass Dreck und etwas Staub vom Tavernenboden aufwirbeln und lehnt seine Arme auf dem alten hölzernen Mobiliar ab: Jetzt nochmal langsam. Wer bist du nun?
Sein Gegenüber scheint darauf kaum zu reagieren, erhebt sich langsam und weist ihn mit einer kurzen und ruhigen Handbewegung an, aufzustehen und mit ihm ins Freie zu gehen. Spark drückt sich von seinem Stuhl empor und bemerkt erst jetzt den markanten Größenunterschied zum Unbekannten. Dieser geht vor, seine Schritte sehen schwer und wuchtig aus, geben aber überraschender Weise keinen Laut von sich. Diesen Fakt nicht weiter beachtend bewegt Spark sich zur Tür hinterher. 
Die Kälte schlägt ihm ins Gesicht. Der Wind ist noch stärker geworden und die Schneeflocken scheinen wie mikroskopisch kleine Klingen in sein Gesichtsfleisch zu schneiden. Rauschend wiegen sich die schwarzen Baumkronen im Wind, nur wenige Lichter leuchten die aneinandergrenzenden Häuserwände an. Der Unbekannte dreht sich langsam zu Spark um und beugt sich leicht zu ihm herunter. Der Größenunterschied wird noch deutlicher:
„Mein Freund. Sie werden blind sein, so wie du blind warst aber nicht sein musst. Er wird gehen und doch bleiben, du wirst schon sehen.“
Der Unbekannte lächelt leicht und deutet auf die, nur wenige Meter entfernte, Tavernentür, die sich ganz leicht mit dem von außen drückenden Wind zu bewegen scheint. Bis auf die Tür scheint alles um sie herum in Dunkelheit gefallen zu sein. Nur ein einzelner, leicht sichtbarer Bereich formt sich langsam zu einer kleinen Wand, aus der die Tür herausragt. Ungläubig schaut sich der Schmied um. Der Schnee ist weiterhin unter ihm, weiterhin peitscht der Wind ihm um die Nase, weiterhin ist es unbeschreiblich kalt. Aber die Fußspuren, welche die beiden hinterlassen haben sollten, scheinen längst verweht zu sein. 

Langsam sinken die Temperaturen noch weiter, der Lichtkegel vor Spark verkleinert sich, bis schließlich nur noch die Türe zu sehen ist. „Jetzt können wir endlich weiter“ raunt er in Sparks Richtung und macht sich mit schwerfälligen Schritten auf den Rückweg zur Türe. In ein paar Schritten Entfernung folgt ihm Spark, schleppender und schwerfälliger scheint der feste Schnee nach seinen Füßen zu greifen um ihn zu binden. Welchen Sinn macht das? Wir gingen nur raus um wieder einzutreten? Fragt sich Spark, begreift aber, ihm folgen zu müssen. Wenige Meter vor der Türe stoppt der Unbekannte, dreht sich leicht zu Spark um und streckt seine linke Hand in Richtung Türe aus: 
„ Nun trete durch und beginne zu sehen. Greife ihn und schenke ihm ein offenes Bewusstsein!“
Nur zwei langsame, aber knirschende und kräftezehrende Schritte braucht Spark, bis er an der Türe steht. Leichter Schweiß steht ihm trotz der Kälte auf der Stirn und sein Blick verfinstert sich angesichts dessen, was hinter der Türe warten soll. Noch während er sich fragt, welchen Sinn das alles macht, ergreift er mit seiner schweren, narbenüberzogenen Hand die Türe und schiebt sie auf. 
Von seiner eigenen Gefügigkeit überrascht tritt Spark in die Taverne zurück. Kein Lichtschein strahlt ihm entgegen, keine lauthalsen Gespräche und Rufe der vor wenigen Minuten noch Trinkenden schallen an seine Ohren. Auch der Gestank ist verflogen. Nur ein seltsam kalter, etwas modriger und doch beruhigender Duft zieht an ihm hoch. Es riecht stark nach Erde, etwas hölzern wie Fichte…. Und es riecht nach Feuer, doch zu sehen ist keines. Die Temperatur ist verflogen. In diesem Moment kann Spark nicht sagen, ob es warm oder kalt ist, trocken oder feucht, ob die Luft klar oder staubig und stickig ist. Auch jegliches Zeitgefühl ist verschwunden, ebenso wie Sparks Wunsch, sich der Gesellschaft des Unbekannten zu entledigen um nach Hause zu gehen. Etwas hat ihn gefasst, ihn gebunden, die Türe hinter ihm geschlossen und ihn aufgenommen. 

Die schummerigen, grauen Konturen des Inneren der Taverne tauchen aus dem Dunkeln auf und formen sich allmählich zu ihrer ursprünglichen, doch verwaschenen und farblos stumpfen Form. Der massive Tresen, die hölzernen Stühle und Tische, zerbeulte Teller und Becher, zerkratzte Krüge. Alles ist genau an der Stelle, an der sie vor wenigen Minuten gewesen zu sein schienen. 
Schritt für Schritt geht Spark langsam in Richtung Tresen rüber. Sein Blick schweift durch den gesamten Raum. Keine einzige Person ist mehr hier. Kein Bauer, kein Soldat, keine Tagelöhner. Ein leichter Schauer zieht dem ausgewachsenen Mann über den Rücken und stoppt abrupt auf Höhe Sparks Schulterblätter. Etwas hat mich berührt, denkt sich Spark und dreht sich langsam um, den Unbekannten erwartend. Doch dieser steht, leicht an den Rahmen gelehnt, noch immer an der Türe und lacht ihn verschmitzt an: Das macht er immer, du wirst dich dran gewöhnen. Er ist nicht wie du und ich, aber er ist wahr.
Natürlich ist ER das, denkt sich Spark und schaut sich etwas hektischer im Raum um. Hrmmm, von wem redet diese Figur nur, brummt er in sich herein und schaut den Unbekannten fragend an. Dessen Lachen weicht plötzlich einem breiten Grinsen und er weist mit einer nickenden Kopfgeste zum Tresen hin. 
Und nun sieht Spark, was diese seltsame Gänsehaut ausgelöst hat. 
Am Tresen, knapp 2 Meter vor Spark, sitzt auf einem Hocker eine hochgewachsene, schlanke Person, mit den Ellbogen auf den Tresen gestützt und schaut auf die schwere Platte herab. In diesem Moment, in dem Spark ihn mit beiden Augen etwas argwöhnisch und zweifelnd anschaut, bewegt sich der Blick der Person in Richtung Zimmerdecke und ein leichtes, aber deutlich vernehmbares Seufzen zieht durch den Raum. 
„Ja, das ist er, mein Guter,“ sagt der Unbekannte ruhig von seiner Türe aus in Richtung Tresen: „So, Schmied, jetzt siehst du. Und jetzt begreife, was dich umgibt. Namen sind, wie sie sein müssen. Aber nicht so, wie sie waren.“ Der Unbekannte löst sich von der Tür und schreitet gemächlich in Richtung Tresen, ohne dabei Spark aus den Augen zu lassen. „Ein Hauch des Wahren umgibt dich. Also lass mich dir sagen: Dies ist IHR ältester Jäger. Er wachte stets, er fasste fest und lies nie los. Seine Zeit umgarnte ihn als Geist, doch seine Natur glich der eines Räubers. Sein Name, so seltsam er anmuten mag, war begriffen in Angst und Vorsicht. Nun ist er, so wie nun auch du und auch ich, gerufen von IHR und wartet seiner Zeit: Pille.“

Pille drückt sich gemächlich von dem knirschenden Hocker empor und dreht sich zu Spark um. Seine Gestalt wirkt mager, seine Augen blicken beinahe weiß aus dem eingefallenen, ausdruckslosen Gesicht zu Spark herüber und fixieren Spark. Die schwarze Kleidung wirkt wie angewachsen und folgt gehorsam jeder Bewegung seines Körpers, ohne dabei die Form zu verlieren. Wie zum Gruße hebt er leicht eine seiner Hände und weist zu den beiden Besuchern hin, als plötzlich ein kleiner bläulicher Funke aus einer seiner Handflächen zu kommen scheint. Zu Sparks Überraschung zieht der Funke zurück unter die Haut, schiebt sich unter sie und formt langsam eine Art stetig zunehmenden Auswuchs, der sich langsam zwischen Daumen und Zeigefinger ausweitet. Mit unveränderter Mine greift Pille sacht das seltsame Konstrukt, welches immer mehr eine Form annimmt, die Spark an einen Pflock oder einen Sporn erinnert. 
Seine Miene erhellt sich etwas und er lässt den Sporn los. Aber anstelle gen Boden zu fallen schwebt er, eingebettet in dieselbe bläulichen Farbe wie der einstige Funken. Pille hebt etwas seinen Kopf, als wolle er den Sporn von oben betrachten, als dieser sich ohne Anlass zu drehen und wenden beginnt. 
„Lass dich nicht davon beindrucken, das macht er seit Jahren so“, raunt sein Begleiter in Sparks Ohr und schreitet zu dem Schattenläufer herüber. Bei ihm angekommen lehnt er sich scheinbar erschöpft auf den Tresen und deutet auf den leeren Hocker neben sich: „Komm, setz dich, und warte etwas mit uns. Er muss auch gleich hier sein“
Wie angewurzelt starrt Spark auf die beiden Figuren am Tresen und weiß nicht, ob er seinen Augen trauen kann. Eine kleine Schweißperle rinnt trotz fehlender Wärme seine Wange herunter, um schließlich auf dem Boden aufzuschlagen. Was redet der Typ bloß? Fragt sich Spark. Seine Verwunderung über „Sie“ und „Er“ wirken auf ihn ebenso minder gespenstisch, wie die Veränderungen, die sich langsam in der Taverne abzeichnen. 
Auf einem der Hocker begann ein Schleier schon einige Minuten zuvor, die Silhouette eines sitzenden und in sich gesackten Mannes abzuzeichnen. Schwarz und schemenhaft wie ein Phantom sitzt der Schatten nun dort und bewegt sich seicht, wie von einer unsichtbaren Welle getragen. Seine verwaschenen Arme greifen kurz nach dem Holzbecher, doch als der Umriss den Arm hebt, um aus dem Becher zu trinken, so hebt sich nur das schwarze Abbild des Gefäßes. Der Schmied wischt sich mit der linken Hand schnell über den Kopf und will gerade seinen Führer fragen, was das alles auf sich hat, als die Tavernentür auffliegt.

Fortsetzung folgt...